Wie das Nachtigallental unter der Klimakrise leidet

Sorgenvolle Blicke richten sich auf das Blätterdach im Nachtigallental. „Den Wald hier, wie wir ihn jetzt sehen, wird es wohl in fünf Jahren nicht mehr geben“, erklärt Biologin Gabriele Potabgy auf Nachfrage einer Hüllhorster Bürgerin. Auf dem naturkundlichen Spaziergang von Bündnis 90/Die Grünen gab es einige unbequeme Fakten zur Klimakrise und ihrem Effekt auf die heimischen Pflanzen und Tiere zu verdauen.

Dabei sind viele Anzeichen erst auf dem zweiten Blick zu erkennen. Die erste Station ist nur wenige Schritte vom Startpunkt an der Husemühle im Nachtigallental entfernt. Dort steht die Gruppe unter einer massiven Eiche. „Dieser Baum stirbt, deshalb wirft er jetzt seine Frucht ab“, sagt die Biologin und deutet auf hunderte von Eicheln die nur unter einem der vier Bäume der Reihe liegen. Nun ist für alle anderen Teilnehmner zu erkennen, dass die Rinde aufgerissen ist und der Baum nur noch wenige Blätter trägt. Es ist die ungewöhnliche Dürre der letzten Sommer, die der bestimmt zehn Meter hohen Eiche zu schaffen macht. Selbst hitzebeständige Bäume, wie die Birke, sterben jetzt ab: „Darüber bin ich wirklich schockiert“, meint Gabriele Potabgy. Die Menge der lädierten Bäume sei besorgniserregend. „Können wir nicht wieder aufforsten?“, fragt ein interessierter Hüllhorster. Dafür böten sich vor allem heimische Hölzer an, doch noch besser sei es, dem Wald sich selbst zu überlassen, wie es in Naturschutzgebieten der Fall ist. Denn auch totes Holz hat seinen Zweck, es sind „die besten Insektenhotels.“  Immer wieder streut die Diplom-Biologin Potagby auf dem Spaziergang durch das Nachtigallental einige globale Fakten zur Klimakrise ein. Der massive CO2-Ausstoß gehe dabei zum Teil auf das Konto der Menschen in Deutschland. „Bei dem Ressourcenverbrauch momentan benötige wir 1,75 ‚Erden‘. Würde alle Menschen so leben, wie in Deutschland, dann wären es vier.“ Daher sei es notwendig, dass wir die Klimakrise zügig und konsequent überwinden, denn „wenn die Erderwärmung erstmal bei vier Grad ist, dann hat das katastrophale Folgen für die Pflanzen und Tiere.“ Abschließend schaut sich die Gruppe von 15 interessierten Hüllhorstern noch das Insektenhotel an der Husenmühle an. Ein guter Beitrag für die Insekten, so wie die Wildbiene. Allerdings gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, denn auch bei Insektenhotels muss einiges beachtet werden, damit es den Vögel nicht zu einfach gemacht wird, das Hotel-Büfett zu plündern.

Damit Natur- und Artenschutz auch von der Landespolitik unterstützt wird, hat Bürgermeisterkandidat Benjamin Rauer noch die aktuelle Unterschriftensammlung „Volksinitiative Artenvielfalt“ mitgebracht. „Wir müssen auf Kommunal- und Kreisebene für den Naturschutz sorgen, uns aber auch an die nächsthöhere Stelle wenden“, erklärt Rauer. Nach etwa zwei Stunden ist der Spaziergang dort beendet, wo er angefangen hat. Sicherlich werden die Spaziergänger dieses vormittags nun erstmal mit anderen Augen durch unsere Wälder gehen.

 

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